
Gewölbekeller sandstrahlen: das Ziegelgewölbe wieder freilegen
08/03/2026Der heilige Sebastian gehört zu den ältesten Heiligen der Christenheit: ein römischer Offizier der kaiserlichen Leibwache, der als Christ enttarnt, an einen Baum gebunden und mit Pfeilen beschossen wurde – und überlebte. Über Jahrhunderte wurde er als Pestpatron verehrt, und so steht seine Figur bis heute in vielen Kapellen und Bildstöcken.
Genau eine solche Holzfigur des hl. Sebastian kam zu Austroblast: über die Jahrzehnte mehrfach übermalt, das Holz darunter morsch und vom Holzwurm zerfressen. Unsere Aufgabe war so heikel wie reizvoll – die alten Lackschichten schonend abtragen, ohne die fragile Figur zu beschädigen.
Mit einem schonenden Niederdruck-Strahlverfahren haben wir das Holz Schicht für Schicht freigelegt und so die Basis geschaffen, auf der die Künstlerin Anita Bierbaum die Figur anschließend kunstvoll neu gestalten konnte.
In diesem Beitrag zeigen wir den gesamten Weg: vom übermalten, geschädigten Ausgangszustand über die Suche nach dem richtigen Verfahren bis zum blank freigelegten Holz – und zum Schluss das berührende Ergebnis nach Anitas Arbeit, zurück an seinem Platz im Bildstock.
So sah der Unterschied nach unserer Arbeit aus – die übermalte Figur vor dem Einsatz und das vollständig freigelegte Holz danach:


Projekt & Herausforderung
Die Sebastiansfigur – ein an einen Baumstamm gebundener Märtyrer mit goldenem Strahlennimbus, flankiert von zwei Engeln – hat einen hohen ideellen Wert für ihre Gemeinde. Über die Jahre war sie mehrfach überarbeitet und neu gefasst worden, sodass dicke, unterschiedlich starke Lackschichten in Weiß, Gold und Schwarz die ursprüngliche Form überdeckten. Stellenweise lag die Farbe massiv und steinhart auf, an anderen Stellen nur dünn.
Das eigentliche Problem lag jedoch im Holz selbst. Unter den Anstrichen war die Substanz teilweise schwer geschädigt: morsche Bereiche, von Holzwurm dicht durchsetzte Partien, feine Risse. Eine solche Figur lässt sich nicht einfach abschleifen oder mit Chemie ablaugen – grobe oder aggressive Methoden hätten das ohnehin geschwächte Holz weiter aufgerissen oder feine Konturen wie Finger, Falten und Gesichtszüge unwiederbringlich verloren.
Die Herausforderung war damit klar umrissen: die alten Lackschichten abtragen – und dabei jedes Detail der fragilen, teils maroden Holzsubstanz erhalten. Material und Verfahren mussten exakt auf dieses empfindliche Objekt abgestimmt sein.



Unser Verfahren
Weil jede Figur und jede Farbschicht anders reagiert, haben wir uns dem richtigen Verfahren behutsam angenähert – statt vorschnell mit voller Kraft anzusetzen. Das war hier der entscheidende Schritt.
Schritt 1 – Verschiedene Strahlmittel testen
Zunächst haben wir an unauffälligen Stellen verschiedene Strahlmittel im Test erprobt. Ziel war ein Strahlgut, das die harten Lackschichten zuverlässig löst, die weiche Holzoberfläche darunter aber nicht angreift. Genau hier zeigt sich die Erfahrung: Ein zu aggressives Mittel hätte das morsche Holz aufgerissen, ein zu sanftes hätte die dicken Lackpanzer stehen lassen.
Schritt 2 – Mit der Laserreinigung herangetastet
Ergänzend haben wir uns mit der Laserreinigung an die Figur herangetastet – ein vollkommen berührungsloses Verfahren, das Schichten gezielt abträgt. Dabei zeigte sich ein aufschlussreiches Bild: Die goldene Fassung ließ sich mit dem Laser sauber abtragen, die weiße Schicht darunter hingegen nicht. Genau solche Erkenntnisse waren wertvoll – sie zeigten, wie das Material reagiert, und führten uns zur finalen Verfahrenswahl für das gesamte Objekt.

Schritt 3 – Schonendes Niederdruck-Strahlen mit speziellem Granulat
Die finale Lösung war ein schonendes Niederdruck-Strahlverfahren mit einem speziell abgestimmten Granulat. Bewusst im niedrigen Druckbereich geführt, trägt es die Lackschichten kontrolliert ab und folgt dabei der gewachsenen Form der Figur, statt sie zu überrollen. Schicht für Schicht kam so das nackte Holz wieder zum Vorschein – inklusive aller feinen Konturen, die das Wesen der Figur ausmachen. Auch das wahre Ausmaß der Holzschäden wurde dabei erst sichtbar, was der Künstlerin eine genaue Grundlage für die anschließende Arbeit gab. Am Ende war die Figur schonend freigelegt, ihr wahrer Zustand zum Vorschein gebracht – bereit für den nächsten Schritt.




Die gestalterische Renovierung – Anita Bierbaum haucht der Figur neues Leben ein
Mit dem freigelegten Holz endet unsere Arbeit – und die der Künstlerin Anita Bierbaum beginnt. Sie hat uns den Auftrag anvertraut und die Figur anschließend in vielen Stunden behutsamer Handarbeit zu neuem Glanz geführt. Wir freuen uns, ihre Arbeit hier ausführlich zeigen zu dürfen.
Anita Bierbaum lebt und arbeitet im Weinviertel, nördlich von Wien. Geboren im Tiroler Alpendorf Schönwies, entwickelte sie ihre Leidenschaft für das künstlerische Handwerk schon als Kind – beim Vater, einem Meisterfotografen, in der Dunkelkammer. Nach einer Ausbildung an der HTL für Bau und Design in Innsbruck machte sie die Kunst zum Beruf. Ihr Schaffen reicht von großflächigen Wandbildern über abstrakte Malerei bis zu Portraits – doch der gestalterischen Renovierung von Statuen, Heiligenfiguren und Marterln gilt eine besondere Verbindung. Sie arbeitet dabei mit höchster Präzision und viel Feingefühl, um den historischen und spirituellen Wert solcher Objekte zu bewahren. In ihrem BegegnungsAtelier in Neusiedl an der Zaya gibt sie ihr Können zudem in Kursen und Workshops weiter.
Auf dem freigelegten Holz baute Anita Bierbaum eine ganze Kette behutsamer Arbeitsschritte auf: eine zweifache Holzwurmbehandlung und das Festigen der geschwächten Substanz mit Holzhärter, das Auffüllen der vom Holzwurm hinterlassenen Hohlräume mit einer tief eindringenden Füllmasse, das Verspachteln und feine Überziehen der Figur, rund vier Stunden Handschliff – und schließlich Grundierung, Bemalung, Vergoldung, Patinierung und eine schützende Schlusslackierung. Den Abschluss bildete ein neuer Sockel mit Filzunterlage, der die Figur vor aufsteigender Feuchtigkeit schützt und für sicheren Stand sorgt.



Am Ende kehrte die Figur an ihren angestammten Platz in der Nische zurück – wieder an der Seite der beiden Engel. Der direkte Vergleich am selben Ort zeigt, welcher Weg zwischen diesen beiden Bildern liegt:


Mehr von Anita Bierbaums Arbeiten finden Sie auf ihrer Website sowie auf Instagram unter @atelier_anita_bierbaum.
Vorteile für den Kunden
- Alte Lackschichten schonend abgetragen – auch dicke, mehrfach überlackierte Partien
- Schonendes Niederdruckverfahren – feine Konturen, Gesichtszüge und Falten bleiben erhalten
- Materialgerecht: das richtige Strahlmittel wurde vorab im Test ermittelt, statt die fragile Substanz zu riskieren
- Ohne Ablaug-Chemie – keine aggressiven Beizen, die ins poröse, wurmstichige Holz einziehen
- Der wahre Zustand des Holzes kommt zum Vorschein – ideale Ausgangsbasis für die anschließende Restaurierung
- Ein verlässlicher Partner für Restauratorinnen, Restauratoren und Werkstätten bei der heiklen Vorarbeit
FAQ – Häufige Fragen
Kann man eine alte Holzfigur schonend entlacken, ohne sie zu beschädigen?
Ja. Mit einem Niederdruck-Strahlverfahren und einem passend gewählten Granulat lassen sich auch dicke Lackschichten kontrolliert abtragen, ohne das Holz oder feine Konturen zu beschädigen. Entscheidend sind die richtige Strahlmittelwahl – vorab im Test ermittelt – und ein erfahrener, dosierter Strahlgang.
Ist Strahlen besser als chemisches Ablaugen oder Abschleifen?
Bei fragilen, geschnitzten Figuren oft ja. Abschleifen rundet feine Details ab, chemisches Ablaugen zieht in poröses oder wurmstichiges Holz ein und lässt sich schwer auswaschen. Ein schonendes Strahlverfahren trägt die Schichten gleichmäßig ab und folgt der Form der Figur, ohne Konturen zu verlieren.
Wird das Holz beim Strahlen nicht zu stark angegriffen?
Nicht, wenn Strahlmittel und Druck zum Material passen. Genau deshalb tasten wir uns an unauffälligen Stellen heran und testen verschiedene Strahlmittel – ergänzend auch die berührungslose Laserreinigung. Erst wenn das Holz sichtbar geschont wird, behandeln wir die gesamte Figur im niedrigen Druckbereich.
Übernehmen Sie auch die Restaurierung der Figur?
Nein. Austroblast übernimmt das schonende Entlacken und Freilegen – die heikle Vorarbeit. Die anschließende künstlerische Arbeit (Festigen, Spachteln, Fassen, Vergolden) übernehmen Fachleute wie die Künstlerin Anita Bierbaum. Gerne arbeiten wir mit Ihrer Werkstatt Hand in Hand.
Mehr über unsere Verfahren erfahren
- Sandstrahlen – schonende Oberflächenbearbeitung, auch für empfindliche Materialien
- Laserreinigung – berührungsloses Abtragen ohne Strahlmittel und Chemie
Sie haben eine Holzfigur, ein Möbelstück oder ein anderes empfindliches Objekt, das schonend entlackt werden soll? Kontaktieren Sie uns – wir freuen uns darauf, auch Ihr Projekt mit der gleichen Sorgfalt zu begleiten.


